Netzwerke, Kompetenzzentren, Grossprojekte: In der Wissenschaft herrscht ein Zwang zur Zusammenarbeit. Dabei geht vergessen, dass Kreativität etwas zutiefst Individuelles ist.
Gespräche können für die Ideenproduktion höchst anregend sein. Der Gesprächspartner braucht dabei nicht zwingend ein Forscher mit hohem Impact Factor zu sein, wenn er versteht, die richtigen Fragen zu stellen. „Grundlegend neue Erkenntnisse [verdanken] wir nicht organisierten Gruppen, sondern einzelnen genialen Menschen“, schrieb der Biochemiker und Autor Gottfried Schatz in der Weltwoche.
Das hört sich zunächst vielleicht ziemlich selbstverständlich an. Trotzdem steht es quer zum Zeitgeist, in dem der Mythos des Kollektiv vorherrscht. Firmen fusionieren, Facebookgruppen boomen, selbst Ärzte müssen Netzwerke bilden. Noch immer wird vielerorts Brainstorming betrieben, obwohl Studien längst dessen Ineffizienz bewiesen haben. Stets steckt dahinter der Glaube, in Zusammenarbeit und Grösse liege ein Wert an sich.
Wer eine gute Idee hat, will diese doch nicht als Erstes in ein Zwangskollektiv einbringen. Fast alle grossen Durchbrüche der Wissenschaftsgeschichte kamen dadurch zustande, dass kreative Köpfe die Freiheit hatten, ihr besten Ideen hartnäckig und nach eigenem Gusto zu verfolgen.
Gastbeitrag, mit freundlicher Genehmigung von Mathias Plüss, NZZ, Das Magazin, siehe hier: Original Artikel
Literatur: Christian Körner: „Die Naturwissenschaft im Spannungsfeld zwischen individueller Kreativität und institutionellen Netzen“; in: „Vom Nutzen der Wissenschaften“, herausgegeben von der Österreichsichen Forschungsgemeinschaft, Böhlau, 2007.